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ARMUT - Perspektiven in Kunst und Gesellschaft

Die Trierer Ausstellung zeigt erstmals eine Geschichte der Armut von der Antike bis zur Gegenwart im Spiegel der Kunst. Sie ist nicht chronologisch geordnet, sondern nach den fünf Hauptperspektiven, unter denen die Armut und die Armen gesehen wurden und werden: Dokument, Appell, Ideal, Stigma und Reform. Die Antike bildet hier einen Sonderfall - auch das soll gezeigt werden.

 

STADTMUSEUM SIMEONSTIFT

Brueghel, Rembrandt und Picasso gehören zu den vielen prominenten Künstlern, die sich mit der Armut auseinandergesetzt haben. Interessant sind hierbei die unterschiedlichen Blickwinkel auf das viel diskutierte Thema. Die Spanne reicht von der Verherrlichung als asketisches Ideal über die Kritik eines sozialen Missstandes bis zur Ausgrenzung von Armen.

Armut im Laufe der Jahrhunderte

Armut im Bild
Pieter Brueghel d.J. hält mit seinem berühmten Gemälde „Die Sieben Werke der Barmherzigkeit“ 
wie schon der Salzburger Meister dem Betrachter die Mildtätigkeit und Anteilnahme an armen Gesellschaftsschichten als moralische Pflicht vor Augen. Auch Heilige wie Elisabeth, Martin und Franziskus verkörpern dieses Ideal.

Armut in der Grafik
Rembrandts „Bettelmusikanten“ sind ein Beispiel für die Idealisierung des Lebens in Armut. 
Später wurden grafische Arbeiten zu einem zentralen Medium in der Auseinandersetzung mit der 
Sozialen Frage. Künstler wie Käthe Kollwitz, Ernst Barlach und Heinrich Zille reagierten auf dieses Problem mit anklagenden und zur Hilfe aufrufenden Grafiken. Leid und Elend der Menschen inspirierten sie zu einer neuen, expressiven Formensprache.

Armut im Wort
Sozialreformer und Politiker wie die Trierer Karl Marx oder Oswald von Nell-Breuning setzten sich für politische Lösungen des Problems ein. Zeitgenössische Künstler reagieren in der Ausstellung auf die Reformvorschläge.

Armut in der Fotografie
Bedeutende Fotografen wie August Sander stehen für einen sachlich kühlen Blick auf unterschiedliche Gesellschaftsschichten. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts verliehen Fotografien der Armut ein Gesicht. Vordergründig dokumentarisch wirkend, sind sie als künstlerische Aussage weit mehr als 
ein bloßes Abbild der Realität. Karin Powser beispielsweise, die selbst auf der Straße lebte, zeigt Darstellungen, die oft trotz ihres ernsten Themas ironisch-komische Züge haben. 

 

RHEINISCHES LANDESMUSEUM

Armut gab es auch in der Antike, sie wurde aber selten thematisiert. Grundsätzlich negativ besetzt, wurde sie dem Armen selbst angelastet, der deshalb immer am Rande der Gesellschaft stand. 
Ein Armer galt in der Antike nicht als hilfsbedürftig oder bemitleidenswert. Neben Gipsabgüssen bekannter Armendarstellungen, wie der „Trunkenen Alten“ und des „Alten Fischers“, werden Originale der Kleinkunst ausgestellt, etwa hellenistische und römische Terrakotten und Kleinbronzen.



Bilder:
Käthe Kollwitz, Brot !, 1924, Museum der Brotkultur Ulm © VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Salzburger Meister, Hungrige speisen (Ausschnitt), um 1465 © Stadtmuseum Simeonstift Trier
Die trunkene Alte, Gipsabguss spätes 3. Jh. v. Chr. © Archäologisches Museum der Universität Münster